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Beethovens Bibliothek

Beethovens Genius kommt nicht von ungefähr – sein Leben lang studiert er Werke von Kollegen, um sich Hilfestellung und Inspiration zu holen. Die wichtigsten Vorbilder sind auch heute noch namhafte Komponisten.

Anders als seine musikalische Ausbildung ist Beethovens Schulbildung kurz und mangelhaft. Geistige Anregung erhält er jedoch von Freunden aus Bonner Bürgerkreisen. Am Hof des Kurfürsten Maximilian Franz herrscht ein liberales Klima. Aufklärerisches Gedankengut wird in den Kreisen des Illuminatenordens gepflegt. Zahlreiche Hofmusiker sind Mitglied der Bonner Loge, Neefe steht ihr vor. So kommt auch der junge Beethoven schon früh mit den Ideen der Französischen Revolution in Kontakt. Beethoven legt sich zeitlebens eine umfangreiche Noten- und Büchersammlung an. Sie besteht “in gestochenen Musikalien guter Autoren, und in den vorzüglichsten theoretischen Schriften anerkannter Classiker” sowie “in einer kleinen, schöngeistischen Handbibliothek”, wie ein zeitgenössischer Gutachter zu berichten weiß. Etwas über zwanzig Bücher und Notenausgaben sind bis heute erhalten. Die meisten gelangen über den Nachlass von Beethovens Biografen Anton Schindler Ende des 19. Jahrhunderts in die Staatsbibliothek zu Berlin.

Mit den Klavierwerken von Johann Sebastian Bach kommt Beethoven schon früh in Bonn in Berührung. Sein Lehrer Christian Gottlob Neefe reklamiert für sich, Bach im Unterricht zu behandeln.

Die Beschäftigung mit J.S. Bach hält ein Leben lang an. Ab 1809 erwacht Beethovens Interesse an den Vorfahren aufs Neue. Er ordert beim Verlag Breitkopf & Härtel…

Über das Cruzifixus aus Bachs h-Moll-Messe hat Beethoven im Lehrwerk “Die Kunst des reinen Satzes in der Musik” von Johann Philipp Kirnberger gelesen. In der Ausgabe, die auch Beethoven besessen hat, kann man hier blättern.

Die Musik von Carl Philipp Emanuel Bach, Sohn von Johann Sebastian, lernt Beethoven ebenfalls durch den Unterricht bei Neefe kennen. Aber auch schon Beethovens Vater Johann van Beethoven hat Musik des “Hamburger Bach” als Sänger der Hofkapelle musiziert. Beethoven erinnert auf einer Abschrift seines Vaters der Kantate “Klopstocks Morgengesang am Schöpfungsfeste” in der rechten oberen Ecke handschriftlich daran.

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Eine Partitur-Seite, leicht vergilbt und stilisiert. Im Vordergrund ein Pinsel.

(Beethoven-Haus Bonn)

Mit sechzehn Jahren reist Beethoven zu einem ersten kurzen Aufenthalt nach Wien. Dort lernt er wahrscheinlich auch Wolfgang Amadé Mozart kennen, der ihn angeblich bittet, etwas auf der Orgel zu improvisieren. Spätere Generationen haben dieses Aufeinandertreffen prachtvoll ausgeschmückt.

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Links im Bild spielt Beethoven an einer Orgel. In der Mitte steht Mozart und bittet mit dem Finger auf dem Mund eine Gruppe Damen still zu sein.
Hugues Merle: “Beethoven vor Mozart auf der Orgel spielend” (Beethoven-Haus Bonn)
Die Begeisterung für Mozarts Musik zeigt sich schon in Beethovens ersten Gesellenstücken, die er im Unterricht beim Bonner Musikdirektor Neefe komponiert. Als jüngster Hofmusikus in der Kapelle des Kurfürsten Maximilian Franz – einem glühenden Verehrer Mozarts, der ihn am liebsten selbst in seinem Tross mit an den Rhein geholt hätte – kommt Beethoven schon früh in den Genuss, Mozart’sche Werke zu spielen und zu hören.
Als Beethoven stirbt, findet man in seinem Nachlass eine Vielzahl gedruckter Kompositionen Mozarts aber auch gut ein dutzend Abschriften. Beethoven fertigt nicht nur während seiner Studienzeit eigenhändig Kopien und Skizzen an. Diese Auseinandersetzung mit Mozarts Werk begleitet ihn quer durch alle Schaffensperioden.

Obwohl ihre Vorstellungen vom Klavierspiel weit auseinandergehen, zollt Beethoven dem Komponisten Mozart lebenslang Anerkennung. Ein Jahr vor seinem Tod schreibt Beethoven in einem Brief:

Während Beethoven zunehmend das Interesse an Zeigenossen verliert, bleibt sein historisches Bewusstsein wach. Noch wenige Wochen vor seinem Tod erhält der schon bettlägerige Beethoven eine 40-bändige Notenausgabe, die er stolz im Freundeskreis zeigt

“Händels sämmtliche Werke als Geschenk an Ludwig van Beethoven dargebracht.” Meldung in der Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode, 1827
Ein Mann liegt in einem Bett, er scheint friedlich zu schlafen.
Josef Teltscher: “Beethoven auf dem Sterbebett”

Der Einfluss von Beethovens Vorbildern findet sich in seinen Werken mal verborgen, mal ganz offen. Über die langen Variationen in der Klaviersonate op. 109 von 1820 schreibt sein Schüler Carl Czerny später, der ganze Satz sei komponiert

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